Pflanzliches Keratin: Was Sich Wirklich Hinter Diesem Begriff Verbirgt

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«Pflanzliches Keratin» ist eine der irreführendsten Bezeichnungen auf dem Haarpflegemarkt. Der Begriff suggeriert eine Alternative zu tierischem Keratin, strukturell gleichwertig aber pflanzlichen Ursprungs — ein Bild, das einer biochemischen Analyse nicht standhält. Zu verstehen, was «pflanzliches Keratin» wirklich ist, was es kann und was nicht, ist für jeden Fachmann, der wissenschaftlich fundierte Empfehlungen abgibt, unerlässlich. Hairswiss klärt auf.

Was als «pflanzliches Keratin» bezeichnet wird: eine andere chemische Realität

Aus streng biochemischer Sicht existiert Keratin im Pflanzenreich nicht. Keratin ist ein faseriges Protein, das ausschließlich in tierischen Organismen vorkommt: Haare, Nägel, Federn, Schuppen, Hufe. Was der Markt als «pflanzliches Keratin» bezeichnet, ist in Wirklichkeit eine Gruppe von hydrolysierten Pflanzenprot einen, die hauptsächlich aus Weizen (Triticum vulgare), Soja (Glycine soja), Mais (Zea mays) oder Reis (Oryza sativa) durch saure, basische oder enzymatische Hydrolyse zu Peptiden und freien Aminosäuren mit niedrigem Molekulargewicht verarbeitet werden.

Auf einem INCI-Etikett entspricht dies den Bezeichnungen:
Hydrolyzed Wheat Protein, Hydrolyzed Soy Protein, Hydrolyzed Corn Protein, Hydrolyzed Rice Protein — niemals «Hydrolyzed Plant Keratin», das eine Marketingerfindung ohne anerkannte INCI-Grundlage ist.

Aminosäureprofil: der grundlegende Unterschied zu tierischem Keratin

Menschliches Haarkeratin ist außergewöhnlich reich an Cystein (10–17% der Gesamtaminosäuren), der schwefelhaltigen Aminosäure, deren Thiolgruppen die Disulfidbrücken bilden, die Festigkeit und Kohäsion der Faser gewährleisten. Pflanzenproteine weisen sehr unterschiedliche Profile auf:

  • Hydrolysiertes Weizenprotein: reich an Glutamin (~35%), Glutaminsäure und Glycin. Cysteingehalt < 2%. Ausgezeichnetes Oberflächenkonditiierungsmittel, aber ohne Fähigkeit, Disulfidbrücken im Cortex zu rekonstituieren.
  • Hydrolysiertes Sojaprotein: ausgewogenes essenzielles Aminosäureprofil, etwas höherer Cysteingehalt (~1,3%) als Weizen, mit guten Feuchtigkeitseigenschaften. Das je nach Hydrolyse variable Molekulargewicht bestimmt den Penetrationsgrad in die Faser.
  • Hydrolysiertes Reisprotein: hauptsächlich aus Glutelinen und Prolaminen zusammengesetzt. Seine Peptide mit niedrigem Molekulargewicht zeigen gute Substantivität auf der Cuticula und einen wahrnehmbaren Glättungseffekt.

Fazit: Diese Proteine rekonstruieren das Haarkeratin nicht im strukturellen Sinne. Sie wirken als Oberflächenkonditionierungsmittel und Proteinfeuchtigkeitsspender, die einen Peptidfilm auf und in der Cuticula ablagern, der Haltung, Glätte und Reibungswiderstand verbessert, ohne tiefe kortikale Rekonstruktion.

Was pflanzliches Keratin wirklich tut: konkrete Vorteile

  • Verbesserung der Zugfestigkeit: standardisierte Tests zeigen eine erhöhte Bruchfestigkeit von Haarfäsern, die mit hydrolysierten Weizenproteinen behandelt wurden, insbesondere bei porösen oder gebleichten Fasern.
  • Reduzierung der Porosität: die Peptidablagerung füllt lacunäre Zonen der Cuticula teilweise auf und reduziert übermäßige Wasseraufnahme (Hygral-Fatigue) und feuchtigkeitsbedingtes Quellen der Faser.
  • Antistatischer Effekt: positiv geladene Peptide (nach Kationisierung) neutralisieren elektrostatische Ladungen auf der Haaroberfläche und reduzieren elektrostatischen Frizz.
  • Vegane Kompatibilität: für Salons und Kunden, die Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs ablehnen, sind hydrolysierte Pflanzenproteine die einzige ethisch akzeptable Alternative zu Keratinbehandlungen tierischer Herkunft.

Professionelle Produkte mit Pflanzenproteinen auf cliCHair

Unter den professionellen Formulierungen, die hydrolysierte Pflanzenproteine in technisch fundierten Protokollen integrieren, stechen mehrere Referenzen auf cliCHair.ch hervor:

INEJ Remedy Shampoo — CODE ZERO

Das INEJ Remedy Shampoo von CODE ZERO ist mit hydrolysiertem Macadamia-Protein und Seidenprotein formuliert, zwei Proteinquellen mit hohem Aminosäureprofil, das mit Haarkeratin kompatibel ist. Seine vorbereitende Wirkung entfernt Verunreinigungen und lagert gleichzeitig eine erste Proteinladung auf der Faser ab, was die Aufnahmebereitschaft für nachfolgende Behandlungen optimiert.

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Inside Potion — CODE ZERO

Die Inside Potion ist ein konzentrierter Rekonstruktionswirkstoff, der Färbungs- oder Bleichformulierungen zugesetzt wird, um den Proteinabbau während technischer Verfahren zu begrenzen. Ihre Formel kombiniert hydrolysierte Macadamia-Proteine mit freien Aminosäuren, die während der Anwendung in den Cortex eindringen, den Materieverlust reduzieren und die Elastizität der Faser erhalten.

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Reconstructive Treatment — Edelstein

Das Reconstructive Treatment von Edelstein integriert eine gemischte Matrix aus hydrolysiertem Keratin (tierisch) und Pflanzenproteinen und kombiniert die tiefe kortikale Rekonstruktion des tierischen Keratins mit dem Oberflächenkonditionierungseffekt der pflanzlichen Peptide. Diese hybride Positionierung stellt den umfassendsten formulatorischen Ansatz für stark geschädigtes Haar dar.

Reconstructive Mask von Edelstein auf cliCHair.ch

Wie man ein Etikett liest: Qualitätsindikatoren für Proteine

Zur Beurteilung der potenziellen Wirksamkeit einer Formulierung mit Pflanzenproteinen sind drei INCI-Parameter ausschlaggebend: (1) die Proteinquelle — Soja und Seide bieten die dem Haarkeratin nächsten Aminosäureprofile; (2) das durchschnittliche Molekülgewicht der Peptide — niedriger = bessere kortikale Penetration; (3) die Position in der INCI-Liste — ein nach Konservierungsstoffen aufgeführter Inhaltsstoff (< 1% Konzentration) hat einen vernachlässigbaren Effekt.

Hairswiss ermutigt Fachleute, Etiketten sorgfältig zu lesen und Marketingaussagen von biochemischen Realitäten zu unterscheiden. Die Beherrschung der Inhaltsstoffchemie ist die Voraussetzung für eine wirklich kompetente Kundenberatung.